Nach Wahl-Debakel

Noch unberechenbarer: Jetzt droht neuer Trump-Knall

Ein Mann im Anzug gestikuliert und zeigt mit dem Finger nach vorne vor blauem Hintergrund.
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Wie reagiert Donald Trump auf die Wahl-Schlappe?
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Wer ist noch unberechenbarer als Donald Trump? Ein Donald Trump, der Macht verliert. Bei den Kongresswahlen am Dienstag hat der 80-Jährige eine Klatsche von den Wählern kassiert. Nach dem Debakel für seine Republikaner dürfte Trump nun alles tun, um in den letzten zwei Jahren als Präsident nicht wie die sprichwörtliche "lahme Ente" (lame duck) zu wirken.

"Nichts deutet darauf hin, dass er sagen wird: 'Ich bin geschlagen, meine Zeit ist vorbei'", sagt der Medien- und Politikforscher Peter Loge von der George Washington University. "Jedes Mal, wenn Trump in die Enge getrieben wurde, hat er lauter gebrüllt und ist zum Angriff übergegangen." Am Wahlabend gab sich Trump erstaunlich zahm: "Ich bin absolut bereit, diese Ergebnisse zu akzeptieren", sagte er der "New York Times".

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In Online-Medien veröffentlichte er als Signal an seine Anhänger zugleich eine rote Baseball-Kappe, auf der in weißen Großbuchstaben das Wort "Veto" prangte. Am Vorabend der Wahl hatte Trump gesagt, er werde als "Mister Veto" missliebige Gesetzesinitiativen der Demokraten verhindern. "Wenn wir nicht gewinnen, lege ich gegen alles ein Veto ein", drohte er in einem Podcast der "New York Post".

Trump will sich gegen Untersuchungen stemmen

Entschieden will sich Trump zudem gegen alle Untersuchungen oder ein mögliches drittes Amtsenthebungsverfahren durch die Demokraten stemmen. "Sie werden wahrscheinlich gegen mich vorgehen, und ich werde gegen sie vorgehen", sagte Trump kurz vor der Wahl dem "Time"-Magazin. Er könnte etwa das Justizministerium anweisen, gegen Demokraten zu ermitteln, die Untersuchungen gegen ihn wegen des Verdachts auf Bereicherung im Amt einleiten oder wegen seiner Beziehungen zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

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Der Autor Michael Wolff, der mehrere Bücher über Trump veröffentlicht hat, sagte in einem Podcast voraus, der 80-Jährige werde der Welt nach einer Niederlage "zeigen wollen, dass er immer noch das Land kontrolliert" - etwa durch eine Invasion in Kuba. Auch über neue US-israelische Angriffe auf den Iran wird schon länger spekuliert. Es werde "eine Reihe dieser Trump'schen Dinge geben", sagte Wolff, "größer, als wir es uns vorstellen können". Demut sei einfach nicht Teil von Trumps DNA.

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Schon Wochen vor den Kongresswahlen hatte Trump den Demokraten immer wieder vorgeworfen, sie würden "betrügen" und "manipulieren". Nach der Präsidentschaftswahl 2020 hatte Trump seine Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden nicht akzeptiert und behauptet, die Wahl sei ihm "gestohlen" worden. Fanatische Trump-Anhänger stürmten am 6. Jänner 2021 das Kapitol, um die formelle Bestätigung von Bidens Sieg zu verhindern. Manche in Washington warnen, solche Bilder könnten sich am 3. Jänner wiederholen, wenn der neue Kongress erstmals zusammentritt.

Außenpolitische Folgen der republikanischen Niederlage

Auch außenpolitisch dürfte die Niederlage der Republikaner Folgen haben: Als selbst ernannter Anwärter auf den Friedensnobelpreis könnte der Präsident den Druck auf die Ukraine erhöhen, sich auf ein Abkommen mit dem Aggressor Russland einzulassen.

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Gleichzeitig dürfte Trump den Kontakt zu jenen suchen, die er als ebenbürtig ansieht: Chinas Präsident Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin. Die drei Staatschefs könnten Mitte des Monats am Rande des Apec-Gipfels in China zusammenkommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt bereits vor einer neuen "Jalta"-Konferenz - unter Anspielung auf das historische Treffen, bei dem die USA, Großbritannien und die Sowjetunion 1945 die Einflusssphären unter sich aufteilten.

Der Mehrheitsverlust des Präsidentenlagers dürfte zugleich die Suche nach dem Trump-Nachfolger beschleunigen. Als Top-Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2028 gelten bei den Republikanern Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio.

Experte: Trump möchte sich zum Königsmacher aufschwingen

Trump verzichtet inzwischen weitgehend auf Anspielungen auf eine eigene dritte Amtszeit, die verfassungswidrig wäre. Bei der Frage, ob er Vance oder Rubio als politischen Erben bevorzugt, hält er sich jedoch auffällig zurück. Der Historiker Allan Lichtman von der American University in Washington glaubt, dass er "die Aufmerksamkeit auf sich selbst richten will, indem er sich zum Königsmacher aufschwingt".

Derweil ist Trump damit beschäftigt, sich selbst Denkmäler zu setzen. Die Bauarbeiten an dem überdimensionierten Ballsaal neben dem Weißen Haus sind im vollen Gange, nachdem das Oberste Gericht dafür grünes Licht gegeben hatte. Unvergesslich machen will sich Trump aber vor allem durch den riesigen Triumphbogen, den er vor dem Nationalfriedhof in Arlington plant.

Der "Arc de Trump", wie ihn US-Reporter spöttisch getauft haben, soll eineinhalb Mal so groß werden wie der Pariser Triumphbogen - und fast drei Mal so hoch wie das Brandenburger Tor in Berlin. Ginge es nur nach Trump und nicht nach den Gerichten, könnten die Bauarbeiten noch diese Woche beginnen.

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