Ohne Motor

Nach Musks Fliege-Auto: Ferrari baut schwebendes Boot

Schwarzes Segelboot mit gelber Ferrari-Beschriftung und modernem Design auf blauem Hintergrund.
© ABB
Der italienische Sportwagenhersteller Ferrari betritt Neuland und baut mit der "Hypersail" eine spektakuläre Segelyacht. Das rund 30,5 Meter lange Hightech-Gefährt kommt komplett ohne Verbrennungsmotor aus und schwebt dank innovativer Tragflächen über dem Wasser.
OE24 auf Google bevorzugen

Ferrari vermeldete am 16. Oktober 2026 einen wichtigen Meilenstein bei dem Prestigeprojekt: Der Rumpf der Hypersail wurde in Pisa erfolgreich fertiggestellt. Die rund 30,5 Meter lange Rennyacht ist als reiner Prototyp für prestigeträchtige Hochseeregatten sowie Rekordfahrten konzipiert und dient den Ingenieuren aus Maranello gleichzeitig als offizielle Versuchsplattform. Der Vortrieb erfolgt ausschließlich über Windkraft, während ein klassischer Verbrennungsmotor an Bord gänzlich fehlt. Kleine Elektromotoren übernehmen lediglich Hilfsfunktionen wie das Trimmen der Segel.

Das Grundprinzip des Bootes basiert auf der modernen Foiling-Technologie: Unter der Wasseroberfläche montierte Unterwassertragflächen erzeugen bei zunehmender Fahrt Auftrieb. Dadurch hebt sich der mächtige Rumpf komplett aus den Fluten, während nur die Tragflächen im Wasser verbleiben. Da der Großteil der Yacht keinen Kontakt mehr zur Wasseroberfläche hat, sinkt der Strömungswiderstand drastisch, was enorme Geschwindigkeiten ermöglicht. Eine konstruktive Besonderheit bildet die Tragfläche am schwenkbaren Kiel unter dem Rumpf: Zusammen mit dem Ruder und einer der beiden seitlichen Tragflächen stabilisiert sie das Gefährt im Flugmodus auf exakt drei Punkten.

Formel-1- und Supersportwagen-Komponenten an Bord

Um den Flug über den Wellen präzise zu steuern, greift Ferrari auf hochmoderne Steuerungssysteme zurück. Das elektronische System "Flight Control" hält die Rennyacht stabil in der Spur. Hochentwickelte Sensoren registrieren permanent die Lagebewegungen des Rumpfs sowie die aktuellen Seebedingungen, woraufhin ein zentraler Bordrechner die Position der Tragflächen und deren Klappen in Echtzeit nachjustiert. Dieses System entlastet die Crew bei extremen Manövern spürbar.

Auch bei der Segelbedienung transferiert Ferrari erprobte Fahrzeugtechnik direkt auf das Wasser:

  • Fahrwerksmotoren im Einsatz: Elektromotoren, die regulär in den aktiven Fahrwerken der Ferrari-Modelle Purosangue und F80 verbaut sind, übernehmen an Bord die mechanische Arbeit.
  • Strom aus Muskelkraft: Wie die Entwickler gegenüber dem Fachportal PressMare erklärten, fungieren diese Einheiten auf der Yacht auch als Generatoren – betätigt die Crew die Handkurbeln, wird Strom für die elektrischen Seilwinden generiert.
  • Flugüberwachung: Die vollautomatische Steuerung gleicht die Foils kontinuierlich an, um ein unkontrolliertes Absacken bei Höchstgeschwindigkeit zu verhindern.

Energie-Autarkie mit Solarzellen und Windkraft

Für den wochenlangen Einsatz auf hoher See setzt Ferrari auf eine vollkommen eigenständige Energieversorgung. Rund 100 Quadratmeter Hochleistungs-Solarzellen werden direkt auf dem Deck sowie an den Rumpfaußenseiten installiert. Zusätzliche Windturbinen am Heck speisen permanent Energie in die bordeigenen Batteriespeicher ein, die sämtliche Systeme mit Strom versorgen.

Laut dem offiziellen Technikpartner ABB ist das gesamte Energiekonzept für mehrwöchige Ozeanüberquerungen ohne externen Landstrom ausgelegt. Ob sich die autarke Stromerzeugung auch bei schwerer See unter Dauerbelastung bewährt, müssen die kommenden Praxistests zeigen.

Stapellauf für Frühjahr 2027 angesetzt

Nach der Rumpffertigung in Pisa wird die Yacht für den weiteren Ausbau und die anstehenden Tests nach Livorno überstellt. Vor dem Gang ins Wasser müssen die Tragflächen sowie sämtliche mechanischen Komponenten montiert werden. Der offizielle Stapellauf ist laut Werftplanung für das Frühjahr 2027 anvisiert.

Die ersten Erprobungen auf dem offenen Meer finden schrittweise statt: Wie das Fachmagazin SuperYacht24 nach einem Werftbesuch berichtet, soll eine eigens umgebaute Motoryacht die Hypersail bei den ersten Schleppversuchen durchs Wasser ziehen. Diese Initialtests finden bewusst noch ohne Mast und Segel statt, um das hydrodynamische Zusammenspiel zwischen Rumpf und Tragflächen isoliert zu überprüfen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden