Herr und Frau Österreicher sind geduldig. Wir sudern und jammern, aber sich auf die eigenen Beine stellen? Man geht hin und wieder auf eine Demo, und selbst das macht nur ein kleiner Teil der Menschen. Krawalle wie in Frankreich sind bei uns sehr unwahrscheinlich.
Wir haben Gewalt als Protestform zum Glück nicht, wir sind halt doch eine Insel der Seligen. Und ganz ehrlich: Wir sollten froh sein, dass das so ist. Trotzdem wünsche ich mir mehr Protest gegen die Zustände in unserem Land. Das Aufstiegsversprechen ist tot, das Leben für immer mehr Menschen unleistbar geworden, wir haben viel zu hohe Steuern, und die öffentlichen Systeme sind immer mehr Sanierungsfälle.
Viele haben sich von der Politik längst abgewandt, siehe die Anzahl der Menschen, die nicht wählen gehen. Und von denen, die wählen gehen, sind mittlerweile bis zu 40 % bereit, die FPÖ zu wählen. Protest an der Wahlurne also. Es ist eine Form der Bestrafungslust, wie es Claus Pándi einmal nannte.
Man wählt aus Protest radikale Parteien, um den Etablierten den größtmöglichen Schaden zuzufügen. Finde ich das gut? Nein. Aber ich finde es um Welten besser, als Gewalt auszuüben. Wie Stéphane Hessel schrieb: "Empört Euch!"
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