Im ORF

Shitstorm für neuen Benko-Film

Ein kahlköpfiger Mann umarmt einen sitzenden Mann in einem dunklen, eleganten Raum.
© ORF/UFA FICTION GmbH/Martin L. L
Es hätte ein fades Dokudrama aus Archivaufnahmen und Spielszenen werden können. Doch der öffentlich-rechtliche Rundfunk entschied sich, mit "Benko - Size Does Matter" auf einen Spielfilm zu setzen.
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Die Hauptrolle in dem fiktionalen Projekt übernahm Kabarettist Thomas Stipsits, der weniger auf Mimikry des Immobilienpleitiers René Benko setzt als auf die tiefenpsychologische Charakterzeichnung eines Getriebenen, der am Ende tief stürzt. Am Montagabend lief der Film in ORF 1.

Ein Mann im Anzug präsentiert und zeigt mit der Hand auf eine Leinwand.
Benko – Size Does Matter Präsentiert seinen Plan für den Kaufhof: Thomas Stipsits als Benko 2026. © SRG SSR/UFA Fiction GmbH

Als Mastermind hinter dem Projekt steht der deutsche Regisseur Raymond Ley, der sich bereits als Experte für die komplexe Aufarbeitung krimineller Fälle ("Der große Fake - Die Wirecard Story") oder epochale Porträts ("Ich bin! Margot Friedländer") einen Namen gemacht hat und nun auch "Benko" realisiert hat. Der Film beruht dabei auf den wahren Ereignissen rund um den Aufstieg und Kollaps des Signa-Konzerns, die Verantwortlichen eilen sich jedoch zu betonen, dass bei einem fiktionalen Projekt natürlich kein Anspruch auf Authentizität in jeder Hinsicht bestehe.

Der Mensch im Fokus

Im Kern liegt der Fokus des Films auch weniger auf den verschachtelten Firmenkonstruktionen und Immobiliendeals als auf dem Menschen Benko. Die Faktenebene wird durch zwei Narrationsstränge abgehandelt, in denen die Recherche zweier TV-Journalisten (Harald Schrott und Renate Regel) respektive die Ermittlungsarbeit der Staatsanwältin Riedler (Lisa Wagner) gezeigt wird.

Thomas Stipsits ist indes der aufstrebende Tiroler Projektrealisierer - und der bis dato für humoristische Rollen bekannte Komödiant steht hier als Person zurück. Es gelingt Stipsits, nicht Stipsits zu sein, sondern ein fragiler, bisweilen manischer Charakter, dessen dunkle Felder ausgeleuchtet werden. Der 43-Jährige ist anfangs der charmante Verführer, der mit seiner Begeisterung und Hybris selbst altgediente Investoren wie den Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne zu überzeugen weiß. Ein großdenkender Fantast, der mit seiner Frau Nathalie (Patricia Aulitzky) ein Powercouple bildet, um die Männer mit Geld um den Finger zu wickeln.

Der dunkle Schatten ist präsent

Dennoch blitzen von Beginn an hinter den Kulissen die Schatten durch, die aber so lange nicht zum Vorschein kommen, wie der Stern Benkos im Steigen begriffen ist. Hier greift der Regisseur zum alten Trick des Alter Egos, indem er Benko Heino Ferch als raunenden Schatten an die Seite stellt. Mephistophelisch und nur für Benko sichtbar, treibt er ihn an, spricht hie und da auch mit der Kamera von Martin L. Ludwig. Diese wiederum ist beständig in Bewegung, suggeriert die Schlüssellochperspektive des Live-Dabeiseins und dynamisiert das ohnedies verschiedene Ebenen bespielende Werk zusätzlich.

Am Ende steht die Verhaftung des von den Weggefährten verlassenen Pleitiers, der hier als Mensch gezeigt wird, ohne die Dimensionen seines Tuns zu banalisieren oder diese gar zynisch zu verharmlosen. Schließlich stellt "Benko - Size Does Matter" keine Komödie dar, sondern allenfalls eine etwas überhöhte Satire.

Häme im Netz

Im Netz kassiert der Benko-Streifen nach Ausstrahlung einen heftigen Shitstorm. "War wohl der Quatsch des Jahres", schreibt ein User.

Ein anderer ist genauso wenig begeistert: "Dieser Film ist ein Topfen."

Noch ein Filmkritiker macht sich über den imitierten Tiroler-Dialekt lustig: "Jedes 's' konsequent als 'sch' auszusprechen, macht aus einem Steirer noch lange keinen Tiroler!"

Wiederum ein X-User hält kurz und knapp fest: "Muss man nicht. Und sollte man nicht! Zeit ist Leben."

Und ein weiterer X-Nutzer urteilt: "Ist Murks."

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