Ukraine-Krieg

Russland-Experte zeichnet düsteres Szenario

Ein Mann im Anzug mit gelber Krawatte sitzt vor Vorhängen, daneben eine Pflanze auf einem Tisch.
© ORF
Donald Trump könnte die Ukraine zu einem Kriegsende zwingen. Politologe Gerhard Mangott erklärt, welche Druckmittel Washington besitzt und warum Russland davon profitieren würde.
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Die Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verschärfen sich. Während Trump der Ukraine zunehmend die Schuld am anhaltenden Krieg gibt, wächst die Sorge, dass Washington seine militärische Unterstützung weiter zurückfährt. Der Politikwissenschaftler und Russland-Experte Gerhard Mangott zeichnet in der "ZIB 2" bei Armin Wolf ein düsteres Bild der Lage. Besonders alarmierend ist für ihn, wie weit Trump inzwischen auf die russische Position einschwenkt.

Trump übernimmt russische Argumentation

Zwar könne man bei Trump nie ausschließen, dass er seine Haltung erneut ändere. Die jüngsten verbalen Angriffe auf Selenskyj hätten laut Mangott aber eine neue Qualität erreicht. Der US-Präsident werfe der Ukraine vor, keinen Frieden zu wollen, und stelle sogar Selenskyjs Legitimität als Verhandlungspartner infrage. "Das ist ein typisch russisches Narrativ", erklärt Mangott. Moskau behaupte seit Langem, dass Selenskyj nicht mehr der rechtmäßige Präsident der Ukraine sei.

Neu sei allerdings auch die Reaktion des ukrainischen Präsidenten. Während Selenskyj bislang versucht habe, Trump möglichst wenig zu provozieren, schlage er inzwischen deutlich schärfere Töne an. Er werfe dem US-Präsidenten sinngemäß Verrat und eine einseitige Parteinahme für Russland vor. Mangott hält diese Strategie für riskant. Auch wenn Selenskyjs Reaktion nachvollziehbar sei, könne es sich als Fehler erweisen, Trump zusätzlich zu provozieren.

US-Hilfe könnte zum Druckmittel werden

Besonders gefährlich könnte für die Ukraine eine weitere Einschränkung der amerikanischen Militärhilfe werden. Schon jetzt würden bestimmte Beschränkungen die ukrainischen Streitkräfte treffen. Mangott verweist auf Einschränkungen bei der Nutzung von Satellitentechnologie für Drohnenangriffe gegen russische Ziele hinter der Front. Auch das Ausbleiben amerikanischer Frühwarninformationen bei Angriffen mit ballistischen Raketen erschwere die Verteidigung.

Noch sieht der Politikwissenschaftler darin vor allem diplomatische Druckmittel. Trump wolle Selenskyj offenbar dazu bewegen, bei möglichen Friedensverhandlungen größere Zugeständnisse zu machen. Sollten die USA ihre Unterstützung allerdings dauerhaft und umfassend einstellen, hätte das nach Mangotts Einschätzung gravierende Folgen.

Europa könnte USA nicht ersetzen

Die europäischen Staaten wären laut dem Experten kaum in der Lage, die ausfallende amerikanische Unterstützung vollständig aufzufangen. Besonders bei der militärischen Aufklärung und Zielerfassung bestehe eine große Abhängigkeit von den USA. Trump könnte zudem den sogenannten PURL-Mechanismus beenden, über den europäische NATO-Staaten amerikanische Waffen kaufen und der Ukraine zur Verfügung stellen.

Ein solcher Schritt würde die militärische Lage für Kiew massiv verschlechtern. Russland könnte dadurch an der Front wieder leichter Geländegewinne erzielen. Auf Wolfs Frage, ob Trump die Ukraine damit praktisch zu einem Kriegsende zwingen könnte, antwortet Mangott entsprechend deutlich. "Das könnte er vermutlich", so der Politikwissenschaftler.

Trump locken Milliardengeschäfte mit Russland

Warum Trump dem russischen Präsidenten Wladimir Putin offenbar deutlich mehr Sympathie entgegenbringt als Selenskyj, erklärt Mangott mit zwei Faktoren. Einerseits bewundere Trump autoritäre Staatschefs wie Putin, Chinas Präsident Xi Jinping oder den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil diese weitgehend ohne institutionelle Kontrolle regieren könnten. Mangott vermutet, dass Trump selbst gerne über vergleichbare Macht verfügen würde.

Andererseits gehe es um wirtschaftliche Interessen. Die USA seien inzwischen offenbar bereit, wieder umfangreiche Geschäfte mit Russland anzubahnen. Dabei stünden Milliardenbeträge im Raum, etwa bei Investitionen im Energiesektor. "Ich glaube, das ist auch der Grund, warum Donald Trump jetzt Russland so stark unterstützt", erklärt Mangott.

Ukraine und Europa könnten außen vor bleiben

Mit Sorge betrachtet der Russland-Experte auch den Vorschlag eines Dreiergipfels zwischen Trump, Putin und Xi Jinping. Bei einem solchen Treffen könnte neben Abrüstungsfragen auch über die Zukunft der Ukraine verhandelt werden. Mangott hält eine Teilnahme Chinas trotz möglicher Vorbehalte für wahrscheinlich. Peking verteidige zwar offiziell die territoriale Integrität der Ukraine, sei seiner Einschätzung nach aber letztlich an einem russischen Sieg interessiert. Damit könnte Russland bei einem solchen Gipfel einen weiteren Unterstützer an seiner Seite haben.

Die Ukraine und die europäischen Staaten hätten hingegen möglicherweise überhaupt kein Mitspracherecht. "Dann sitzen drei Staaten an einem Tisch und beraten über die Zukunft der Ukraine und Europas, ohne dass Europa und ohne dass die Ukraine am Tisch sitzt", warnt Mangott. ZIB-2-Moderator Armin Wolf beendet das Gespräch mit einem bemerkenswerten Satz. Er bedankt sich bei Mangott für dessen "sehr deprimierende Analyse".

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