Countdown läuft

ÖSV mit Sölden-Kampfansage: »Österreich ist immer noch die Skination«

Christian Mitter (Sportlicher Leiter ÖSV Ski Alpin) beim Kamingespräch des bevorstehenden Ski Alpin Weltcup Saison Auftakt, in Sölden.
© APA/EXPA/ JOHANN GRODER
Christian Mitter will den ÖSV zurück an die Spitze führen – aber ohne Ergebnisdruck um jeden Preis. Vor seiner zweiten Saison als Sportlicher Leiter Alpin sieht der Steirer viel Potenzial im Team. Nach guten Trainings in Übersee und zuletzt in Sölden spüre er einen positiven Spirit.
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"Österreich ist immer noch die Skination", stellte Mitter beim Kamingespräch zum Saisonauftakt am Wochenende klar. Große Versprechen bei den Resultaten? Die gibt es bewusst nicht. Dafür einen klaren Plan.

Mitter will, dass seine Läuferinnen und Läufer im Rennen zeigen, was in ihnen steckt. "Das Wichtigste ist, dass sie es im Rennen abrufen und ihren Schwung zeigen. Und dann schauen wir, wo wir stehen", erklärte er. Nicht jeder könne gewinnen. Entscheidend sei vielmehr, aus jedem Ergebnis die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wer Zwölfter werde, müsse analysieren, warum es nicht für Platz drei oder gar den Sieg gereicht habe. Sein Credo: "Meine Erwartung ist, dass wir die Schritte machen, dass wir prozessorientiert und nicht ergebnisorientiert arbeiten."

Haaser & Brunner mit Scheib-Potenzial?

Dass der Sprung nach ganz vorne möglich ist, hat Julia Scheib in der vergangenen Saison eindrucksvoll bewiesen. Nach ihrem Sölden-Sieg krönte sie ihren Winter mit dem Gewinn der Riesentorlauf-Kugel. Mitter sieht auch bei anderen ÖSV-Athleten großes Potenzial. Raphael Haaser, Joshua Sturm und Stephanie Brunner nennt er als Namen, die den nächsten Schritt machen könnten. Bei Brunner wartet er schon lange auf den Durchbruch: "Da reden wir schon ewig davon, wenn die einmal ihre sieben Zwetschgen im Rennen beieinander hat."

Ob diese Läufer aktuell schon gewinnen können, will Mitter nicht versprechen. Für ihn geht es darum, das vorhandene Können endlich konstant auf die Piste zu bringen. Ein fünfter oder siebenter Platz dürfe nicht das Ende der Ambitionen sein, sondern müsse Ansporn für mehr sein. "Die Erwartungshaltung niedrig zu halten, davon halte ich nicht viel", betonte er. Jeder wolle sich messen – vom Nachwuchs bis zum Weltcup.

Einheitliche Sprache als Schlüssel zum Erfolg

Die Basis dafür sieht Mitter im österreichischen Ski-Ökosystem: starke Vereine, engagierte Eltern, Landesverbände, Schulen und zahlreiche Menschen, die den Sport tragen. Diese Stärke müsse besser genutzt werden. Gleichzeitig brauche es mehr Nachwuchs und effizientere Trainingstage. Zeit, Skifahren erst zu lernen, gebe es an der Spitze nicht mehr.

Deshalb will Mitter eine gemeinsame Sprache für Technik und Rennfahren etablieren – vom Nachwuchs bis zu den Weltcup-Teams. Er habe dieses Konzept bereits in Norwegen umgesetzt. So sollen Talente beim Wechsel in den Europacup nicht wieder bei null anfangen. Gemeinsam mit der Sportwissenschaft wurden über Jahre Erkenntnisse gesammelt, wie bestimmte Bewegungen den Schwung beeinflussen und wie sich daraus konkrete Trainingsmaßnahmen ableiten lassen.

Für Mitter zählt am Ende nicht, wie viele Daten gesammelt werden, sondern welche Schlüsse man daraus zieht. "Wir sind ja Gott sei Dank in einem messbaren Sport. Du fährst entweder schnell oder nicht schnell." Genau dort will der ÖSV ansetzen: Weniger Mythen, mehr klare Analyse – und Schritt für Schritt zurück an die Spitze.

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