einsatzbereit

Neue XXL-Pumpe soll Überflutungen verhindern

Fünf Personen stehen vor blauen Maschinen und halten Puzzleteile zum Thema Überflutungsschutz.
© Markus Wache
Nach dem verheerenden Unwetter 2024 hat Wien beim Hochwasserschutz nachgerüstet. Eine der stärksten Regenwasserpumpen Europas ist nun einsatzbereit, weitere Großprojekte sind geplant.
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Auf der Donauinsel steht jetzt eine der stärksten Anlagen Europas im Kampf gegen Überflutungen. Wien Kanal hat das Pumpwerk um 18 Millionen Euro modernisiert und die Leistung deutlich erhöht. Damit sollen vor allem Floridsdorf und die Donaustadt bei heftigen Unwettern besser geschützt werden. Schon jetzt sind weitere Großprojekte in Planung.

Das Pumpwerk Donauinsel zählt zu den wichtigsten Knotenpunkten im Wiener Abwassersystem. Bereits beim verheerenden Unwetter im September 2024 hat die Anlage eine zentrale Rolle gespielt. Nun ist der Ausbau abgeschlossen. In nur 22 Monaten hat Wien Kanal das Gebäude saniert, die Technik erneuert und eine zusätzliche Hochleistungspumpe eingebaut.

60.000 Liter Wasser pro Sekunde

Das Herzstück der Modernisierung ist Europas leistungsstärkste Regenwasserpumpe ihrer Bauart. Sie kann allein 15.000 Liter Wasser pro Sekunde befördern. Damit steigt die gesamte Spitzenleistung des Pumpwerks von bisher 45.000 auf 60.000 Liter pro Sekunde.

Das ist vor allem bei Starkregen entscheidend. Während an trockenen Tagen zwischen 600 und 2.000 Liter Abwasser pro Sekunde unter der Donau zur Kläranlage nach Simmering transportiert werden, muss die Anlage bei heftigen Niederschlägen ein Vielfaches bewältigen. Dann vermischt sich das Abwasser aus den Haushalten mit dem Regenwasser von Straßen und Dächern. Um Überschwemmungen zu verhindern, kann dieses sogenannte Mischwasser über die Pumpen in die Donau abgeleitet werden.

"Wir stärken unsere Infrastruktur, um die Menschen in Floridsdorf und Donaustadt in Zukunft noch besser vor Starkregenereignissen zu schützen", erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Auch die bestehende Technik ist effizienter geworden. Zwei neue Frequenzumrichter ermöglichen es, die Leistung der Regenwasserpumpen an den tatsächlichen Zufluss anzupassen. Das spart Energie und schont die Motoren. Bei der Kühlung kommt statt einer stromintensiven Kältemaschine nun Brunnenwasser zum Einsatz.

Neue Technik für 2.500 Kilometer Kanalnetz

Modernisiert wurde auch die Leitwarte auf der Donauinsel. Von hier aus wird das gesamte 2.500 Kilometer lange Wiener Kanalnetz digital gesteuert. Täglich fließt rund eine halbe Milliarde Liter Abwasser von zwei Millionen Menschen, 180.000 Gebäuden und sieben Umlandgemeinden durch das System.

Eine spezielle Software verarbeitet die Daten von 700 Messstellen im Kanalnetz. Dazu kommen Informationen von 35 Niederschlagsmessstellen, die gemeinsam mit Wetterprognosen die Steuerung der Anlagen ermöglichen. Insgesamt laufen in der Leitwarte rund 40.000 Datenpunkte über ein 100 Kilometer langes Glasfasernetz zusammen.

"Aufgabe der Leitwarte ist es, jederzeit dafür zu sorgen, dass Wasser dort ankommt, wo es hingehört", erklärt Wien-Kanal-Direktor Andreas Ilmer. Mit neuer Hard- und Software soll die Steuerung künftig auch besser gegen Cyberangriffe und technische Ausfälle abgesichert sein. Die Arbeitsplätze für den Schichtbetrieb sind ebenfalls erneuert worden.

Solaranlage liefert Strom für 100 Haushalte

Auch beim Energieverbrauch hat sich einiges getan. Auf dem rund 3.000 Quadratmeter großen Dach des Pumpwerks arbeitet jetzt eine Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 260 Kilowatt. Das entspricht je nach Verbrauch dem Strombedarf von 50 bis 100 Haushalten. Das Gebäude ist zudem thermisch saniert worden. Neue Fenster, zusätzliche Dämmung, ein begrünter Dachbereich und ein außen liegender Sonnenschutz sollen den Energiebedarf senken. Die bisherige Ölheizung ist einer Wärmepumpe gewichen, die Grundwasser aus einem 17 Meter tiefen Brunnen nutzt. Dadurch werden jährlich rund 300 Tonnen CO2 und 50.000 Euro an Kosten gespart.

Neuer Abwasserspeicher geplant

Mit dem modernisierten Pumpwerk ist der Ausbau des Abwassersystems allerdings noch nicht abgeschlossen. Wien Kanal plant bereits zwei weitere Großprojekte auf und unter der Donauinsel. Dafür gibt es einen Planungsauftrag. Ein unterirdisches Speicherbecken soll künftig rund 100 Millionen Liter Abwasser aufnehmen können. Bei einem Ausfall des Pumpwerks könnte das Wasser dort vorübergehend gespeichert werden, statt direkt in die Donau zu gelangen. Auch bei starkem Regen soll das Becken die Einleitung von Mischwasser in den Fluss deutlich reduzieren.

Zusätzlich ist eine zweite Abwasserleitung unter der Donau vorgesehen. Die rund 500 Meter lange Rohrleitung soll eine weitere Verbindung in Richtung Kläranlage Simmering schaffen. Fällt die bestehende Verbindung aus, könnte die Abwasserentsorgung für Floridsdorf und die Donaustadt dadurch weiterhin funktionieren. Mit beiden Projekten will Wien Kanal die Infrastruktur auch für künftige Extremwetterereignisse und mögliche Krisensituationen absichern.

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