Drama in Florida

Absturz mit 9 Toten: Co-Pilotin war erst 20 Jahre alt

Große Explosion am Straßenrand bei Nacht, gesehen durch die Windschutzscheibe eines Autos.
© X/ Osinttechnical
Nach der Flugzeugkatastrophe eines Learjet 60 nahe West Palm Beach im US-Bundesstaat Florida liegen nun erschütternde Details über die letzten Sekunden an Bord vor. Bei dem Absturz des rund zwei Millionen Dollar teuren Businessjets kamen alle neun Insassen ums Leben, als die Maschine auf dem Weg von Texas auf die Bahamas zerschellte.
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Die Auswertung der behördlichen Funkaufnahmen sowie Bestätigungen der Hinterbliebenen zeichnen ein präzises Bild der dramatischen Notlage in schwerem Unwetter.

Co-Pilotin saß während des Sturzflugs am Steuer

Wie Familienangehörige gegenüber der "New York Post" bestätigten, saß Nathalia Gadelha Filgueiras als Co-Pilotin am Steuer des Privatjets, als die Maschine unkontrollierbar in die Tiefe raste. Die im Bezirk Palm Beach aufgewachsene Pilotin erwarb ihre Lizenz bereits im Jahr 2023 und trat damals im US-Fernsehen bei CBS12 auf. Mit spürbarem Stolz erzählte sie seinerzeit im Interview: "Ich gebe auf jeden Fall damit an, weil die Leute sagen: 'Oh, du kannst kein Auto fahren', und ich antworte: 'Ja, aber ich kann fliegen'."

Die Passion für die Luftfahrt prägte das gesamte Umfeld der jungen Frau:

  • Flieger-Familie: Ihr Vater Allan besitzt ebenfalls eine Fluglizenz.
  • Privatjet-Reisen: Mutter Camila veröffentlichte im Internet regelmäßig Aufnahmen der Geschwister auf gemeinsamen Flügen.
  • Freiheit über den Wolken: Gegenüber der "New York Times" schilderte Camila die Faszination ihrer Tochter: "Sie liebte die Freiheit. Es war völlig anders, die Welt von oben zu sehen."

Funkverkehr dokumentiert Verzweiflung: Pilot betete das Vaterunser

Die freigegebenen Tonbänder der Flugsicherung belegen den beklemmenden Überlebenskampf im Cockpit. Während die Maschine mit rasanter Sinkrate absackte, sprach der namentlich noch nicht identifizierte Flugkapitän das Vaterunser: "Der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name", ist deutlich auf den Tonspuren zu vernehmen.

Gleichzeitig versuchte Filgueiras verzweifelt, den dramatischen Zustand an die Fluglotsen durchzugeben:

  • "Seven two two bravo delta, wir sinken mit 8.000... Mayday, Mayday... wir sinken mit 10.000 Fuß pro Minute."
  • Nur Sekunden danach folgte der Notschrei: "Notfall ausgerufen, Notfall ausgerufen, wir befinden uns in einem Übergeschwindigkeitszustand!"
  • Kurz darauf meldete sie: "Sinkrate 20.000 Fuß pro Minute... wir werden in den Boden krachen."
  • Der Lotse versuchte beruhigend einzugreifen: "Ich bin hier bei dir, sprich mit mir."
  • Filgueiras funkte zurück: "Wir sinken mit 22.000 Fuß und haben 60 Grad Schräglage." Ihr letzter dokumentierter Funkspruch lautete: "Uns läuft die Zeit davon!"

Phänomen "Coffin Corner" und schwere Gewitterzellen

Das Unglück ereignete sich nur acht Meilen von Donald Trumps Club Mar-a-Lago entfernt. Verkehrsminister Sean Duffy bestätigte, dass die Federal Aviation Administration (FAA) ein Team entsendet, um die amtlichen Unfallermittlungen des National Transportation Safety Board (NTSB) vollumfänglich zu unterstützen. Die Lotsen aus Miami hatten zuvor Ausweichmanöver autorisiert, da sich im Südosten heftige Schauergebiete aufgebaut hatten.

Luftfahrtexperten prüfen nun, ob das Phänomen der sogenannten "Coffin Corner" (Sargecke) ursächlich war. In großen Höhen konvergieren Mindest- und Maximalgeschwindigkeit auf ein enges Band:

  • Strömungsabriss bei Tempoverlust: Wird das Flugzeug zu langsam, bricht der Auftrieb augenblicklich ab.
  • Gefährliche Übergeschwindigkeit: Fliegt der Jet zu schnell, gerät er in unkontrollierbare aerodynamische Grenzbereiche.
  • Expertenurteil: Der ehemalige Pilot und IT-Unternehmer Martin Varsavsky betonte auf der Plattform X, dass Unwetter die Außentemperaturen stark verändern und man Schlechtwetterzellen bei leichten Jets weiträumig umfliegen müsse. Er vermutete einen möglichen Steuerungsfehler beim Versuch, die Gewittertürme zu übersteigen.

Trümmerfeld an der Straße – keine Opfer am Boden

Am Sonntagnachmittag herrschte über West Palm Beach schlechte Witterung mit Regen, Blitzschlag, Ostwinden von 15 Meilen pro Stunde und Böen von bis zu 25 Meilen pro Stunde bei einer Sichtweite von sieben Meilen. Der Jet riss einen gewaltigen Krater in die Straße, am Boden kam jedoch niemand zu Schaden. Gerüchte über eine angebliche Anwesenheit von Musiker Lenny Kravitz wurden von dessen Sprecherin Carleen Donovan gegenüber der Daily Mail ausdrücklich zurückgewiesen: "Die Berichte sind unwahr und unzutreffend."

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