"Alte Meister"

PATRICK BUDGEN: Neuanfang in   Seniorenresidenz

Patrick Budgen lächelt in die Kamera und steht draußen vor grünem, unscharfem Hintergrund.
© Lukas Beck
ALTE MEISTER ist der Auftakt der neuen Krimi-Reihe von Patrick Budgen.
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ORF-Star Patrick Budgen moderiert seit Anfang des Jahres die Sendung "Hinter den Schlagzeilen". Glücklicherweise bleibt ihm trotzdem genügend Zeit, Bücher zu schreiben, denn mittlerweile hat er sich als Krimiautor in Österreich etabliert.

Buchhändler Daniel sucht Freunde

Nach Sachbüchern und einigen Teilen seiner "Zentralfriedhofskrimis" startet Budgen mit Alte Meister nun eine neue spannende Reihe: Schauplatz ist die Seniorenresidenz Gutwohl und der ehemalige Buchhändler Daniel ist soeben d617526901ort hingezogen. Er sehnt sich nach Anschluss, will Freunde finden.

Diebstahl

Da bemerkt er eine interessante Kartenspielrunde, zwei Damen und ein Herr, und möchte Kontakt aufnehmen. Doch Daniel wird resch abgewimmelt, er gibt allerdings nicht so schnell auf und sieht sich das Dreiergespann genauer an. Bald kommen sie ihm seltsam vor und tatsächlich, die drei haben nicht nur Kartenspieltricks auf Lager, sondern planen, ein Gemälde zu stehlen.

Buchcover: „Alte Meister“ von Patrick Budgen, mit Mona Lisa, Geldscheinen und einer roten Tasche.
Patrick Budgen "Alte Meister" © edition a

Gefühle werden nicht weniger wert

Budgen macht in Alte Meister ältere Menschen und ihre Wünsche sichtbar, er übergibt ihnen sinnvolle Aufgaben, lässt sie selbstbestimmt agieren. Im Fall von Hauptfigur Daniel Rosen fängt das Leben in der Seniorenresidenz neu an, denn richtige Freunde hatte er nie. Wie der Autor im Interview erklärt, werden Gefühle nicht weniger wert, nur weil die Person, die sie hat, älter ist. Dass Patrick Budgen die Mischung von Spannung und humorvoller Unterhaltung draufhat, konnte er schon bei seinen Zentralfriedhofskrimis unter Beweis stellen. Dieses Talent weitet sich hier noch aus, alle Elemente eines Wohlfühlkrimis sind hier vorhanden, ohne konstruiert zu wirken. Zum Schluss wird‘s sehr berührend – ohne Kitsch.

“Ich hatte ein Jahr lang nur mit älteren Leuten zu tun und war sehr fasziniert, wie unterschiedlich man das Alter leben kann.”

Patrick Budgen

Budgen im oe24-Buchtalk

oe24: Lieber Patrick, wie hast du für deinen neuen Krimi recherchiert und wie kam dir die Idee?

PATRICK BUDGEN: Ich wollte den Schauplatz möglichst originalgetreu beschreiben und war in einer Seniorenresidenz in Döbling. Ich habe mir alles angeschaut: die Zimmer, die Gemeinschaftsräume. Es gibt dort wirklich ein Spielzimmer, einen großen Speisesaal, eine Fußpflege, eine Sauna, ein Arztzimmer. Es ist wie in einem Wellnesshotel. Beim Kaffee haben einige Bewohner:innen offen und bereitwillig erzählt. Meine wichtigste Frage war: Warum geht man in ein Seniorenheim? Die Leute waren alle relativ fit und haben sich wirklich bewusst entschieden, dort zu leben. Die große Gemeinsamkeit aller war, dass sie gesagt haben, sie sind allein im großen Haus gesessen, die Kinder sind ausgezogen, der Partner ist vielleicht gestorben, man ist ganz allein und möchte Anschluss finden. Das habe ich meinen Figuren dann auch so angedichtet. Die Idee zum Krimi habe ich schon länger mitgetragen. Mein Kontakt zu älteren Leuten hat – abgesehen vom familiären Bereich – mit 18 begonnen, als ich beim Zivildienst Krankentransport gefahren bin. Da hatte ich ein Jahr lang nur mit älteren Leuten zu tun und war sehr fasziniert, wie unterschiedlich man das Alter leben kann.

“Ältere Menschen – das sind auch viele meiner Zuseher, die mich auf der Straße ansprechen –, die erlebe ich als wach, neugierig, offen. Denen wollte ich ein Denkmal setzen mit dem Buch.”

Patrick Budgen

oe24: Du holst mit deinem Krimi ältere Menschen vor den Vorhang, was können wir von ihnen lernen?

BUDGEN: Das Thema Älterwerden wird oft negativ gesehen: Schwäche, Vergesslichkeit, Krankheiten, Verlust. Ich habe mir die Frage gestellt: Ist es wirklich so schlimm, alt zu werden? Und bin draufgekommen: Nein, es ist nicht so schlimm. Man hat Erfahrung, viel Gelassenheit, die man als junger Mensch nicht hat. Gleichzeitig, glaube ich, kann man sich genauso freuen, genauso verlieben, genauso weinen. Diese Gefühle sind nicht weniger wert, wenn man alt ist. Ältere Menschen – das sind auch viele meiner Zuseher, die mich auf der Straße ansprechen –, die erlebe ich als wach, neugierig, offen. Denen wollte ich ein Denkmal setzen mit dem Buch.

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oe24: Wann hast du dir das erste Mal Gedanken über das Alter gemacht?

BUDGEN: Mit 36 hatte ich Krebs. Da fängt man natürlich an, sich Gedanken zu machen und fragt sich: Wie möchte ich alt werden? Auch die eigenen Eltern werden älter und kratzen jetzt schon am 80er. Da habe ich mir gedacht: Okay, ich würde mich gern mit dem Thema beschäftigen, aber eben auf eine positive Art und Weise.

“Häusliche Pflege im familiären Umfeld ist ein riesiges Thema, das viel zu wenig beachtet wird”

Patrick Budgen

oe24: Deine Bücher sind haben auch diverse Charaktere – ich denke an die Kommissarin zum Beispiel. Wie wichtig ist dir das?

BUDGEN: Mir ist wichtig, die Realität abzubilden. Unsere Realität ist bunt – nicht nur österreichisch und weiß, sondern bunt, gerade in Wien. Deshalb war mir wichtig, eine Frau in einer Führungsposition in relativ jungen Jahren mit Migrationshintergrund zu haben, wo der Migrationshintergrund an sich aber keine Rolle spielt. Das ist einfach so. Ich bin kein Freund davon, das  aufzubauschen. Mir ist wichtig, dass die Figur nicht primär "die Ausländerin" ist, sondern eine coole Kommissarin, die zufällig Migrationshintergrund hat. Und die in ihrem privaten Umfeld mit ihrer Großmutter zu kämpfen hat. Häusliche Pflege im familiären Umfeld ist ein riesiges Thema, das viel zu wenig beachtet wird. Was das an Ressourcen und Geld kostet und wie Leute sich da ins Burnout pflegen, weil sie zwischen Beruf und Pflege zerrissen werden. Das war mir wichtig zu thematisieren: was das für eine Person bedeutet, auch mit dem inneren Konflikt. Man möchte die Person nicht irgendwo abschieben. Deshalb war es mir wichtig, mit Gutwohl einen Ort zu schaffen, wo man gern hingeht, wenn man alt ist und Anschluss sucht.

oe24: Dein Krimi spielt zur Weihnachtszeit.

BUDGEN: Ja! Mein Freund ist der größte Weihnachtsfan auf dem Planeten. Er hat mir Musiktipps gegeben, welches Weihnachtslied wann passt und so weiter. Dass das Buch zur Weihnachtszeit spielt, ist ihm zu verdanken.

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