Austrias Zellhofer
"Sind nicht unabsteigbar!"
Im ÖSTERREICH-Interview warnt Georg Zellhofer davor zu glauben, dass die Austria als Traditionsverein nicht absteigen könne.
ÖSTERREICH: Im Derby bei ihrem Ex-Klub Rapid gab es keinen Sieger. Sind Sie trotzdem zufrieden?
Georg Zellhofer: Das Ergebnis ging in Ordnung. Es war ein sehr faires Derby, auf und außerhalb des Platzes. Zum Glück gab es praktisch keine Ausschreitungen. Und auch keine Hass-Tiraden, Pfeifkonzerte oder Plakate gegen mich. Das hat mich gefreut.
ÖSTERREICH: Aber ist ein Punkt nicht zu wenig?
Zellhofer: Als ich kam, waren wir Letzter. Das hatte Gründe. Wir haben gegen Tirol, bei Ajax und im Derby gekämpft und alles rausgeholt, was machbar war. Man darf nicht in der Vergangenheit leben. Wir müssen mit unseren Möglichkeiten die Fans auf unsere Seite holen.
ÖSTERREICH: Vier Punkte in zwei Spielen sind ein Anfang.
Zellhofer: Ich sehe Licht im Tunnel. Aber es ist noch ein sehr weiter und gefährlicher Weg. Hätten wir Tirol nicht besiegt und im Derby verloren, wären wir Letzter.
ÖSTERREICH: Hans Krankl hat gesagt, Rapid und die Austria sind unabsteigbar.
Zellhofer: Das kann ich nicht unterschreiben. Innsbruck war Meister und ist abgestiegen. Wir müssen aufpassen. Altach hat den Schwung eines Aufsteigers. Der GAK hat eine gute Mannschaft. Und bei Rapid kommen Hofmann und Bazina zurück. Es kann viel passieren.
ÖSTERREICH: Mit dem GAK, Rapid und Austria stehen die drei letzten Meister ganz unten. Woran liegt das?
Zellhofer: Die wirtschaftliche Basis ist in Österreich nicht so gegeben. In anderen Ländern sind die Top-Vereine finanziell weitaus besser aufgestellt als kleinere Klubs. Hier nicht. Dadurch ist die Liga ausgeglichen. Außer es kommt jemand mit der Dose Red Bull.
ÖSTERREICH: Bei der Austria sind die Magna-Zeiten vorbei, auch Rapid geht es nicht gut. Im Derby standen deshalb 14 Österreicher am Platz. Ist die Krise des Wiener Fußballs gut fürs Nationalteam?
Zellhofer: Wir mussten die meisten Legionäre abgeben. Das gibt Raum für junge Österreicher. Aber wenn kein Erfolg da ist, werden die Klubs reagieren. Dann kommen wieder Legionäre. Nur: Ein richtig guter Österreicher lässt sich nicht aufhalten.
ÖSTERREICH: Die Austria spielt schon morgen gegen Sturm. Der nächste Brocken.
Zellhofer: Das ist für mich ein Schlüsselspiel. Das wird schwerer als das Derby. Zu Hause müssen wir gewinnen. Sturm kann befreit aufspielen. Für mich zeigen sie derzeit den technisch besten Fußball der Liga.
ÖSTERREICH: Für die Austria ist es bereits das vierte Spiel in zwölf Tagen.
Zellhofer: Richtiges Training ist derzeit nicht möglich, nur Regeneration. Das macht die Situation noch viel schwerer, zumal wir keinen 30-Mann-Kader haben.
ÖSTERREICH: Trotzdem lassen Sie seit drei Spielen die gleiche Startelf spielen.
Zellhofer: Ich musste eine Basis schaffen. Es nützt uns nichts, gleich wild zu rotieren. Gegen Sturm geht das noch. Danach müssen zwei, drei Spieler pausieren.
ÖSTERREICH: Ihr Vorgänger Schinkels wird wohl Trainer bei Ihrem Ex-Klub Pasching.
Zellhofer: Ich gönne es ihm. Er hat bei der Austria Erfolg gehabt. In Pasching kriegt er eine gestandene Mannschaft, ein gutes Umfeld. Er steigt dort sicherlich anders ein, als ich hier.
Interview: Tobias Schild/ÖSTERREICH
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