Grüne wählen Weißmann mit
Der türkis-grüne ORF-Deal
Wien. Die Würfel fielen endgültig am Sonntag – mit dem Deal geht die 15-jährige Ära von Alexander Wrabetz an der ORF-Spitze heute zu Ende. Die beiden Koalitionsparteien einigten sich darauf, heute im Stiftungsrat den ÖVP-Wunschkandidaten, ORF-Vize-Finanzdirektor Roland Weißmann, gemeinsam zu wählen – dies wurde ÖSTERREICH aus beiden Parteien bestätigt. Dabei hätte die ÖVP mit zwei „unabhängigen“ Räten zusammen im ORF-Stiftungsrat ohnehin 18 von 35 Stimmen sicher gehabt.
Weißmann soll so rund 24 Stimmen absahnen
Wer ihn wählt. Neben den ÖVPlern und den drei Grünen-Stiftungsräten dürften aber auch mindestens zwei (ÖVP-nahe) Betriebsräte Weißmann wählen. Selbst FPÖ-Stiftungsrats-Chef Norbert Steger wird – zum Ärger von FPÖ-Chef Kickl – für Weißmann stimmen. Auch der OÖ-FPÖ-Vertreter dürfte für ihn votieren. Sodass der 53-Jährige – wie von ÖSTERREICH prognostiziert – auf 24 Stimmen kommen könnte. „Jedenfalls wird ein Zweier vor dem Ergebnis stehen“, heißt es aus Weißmanns Umfeld.
Doch was bekommen die Grünen dafür? Chefverhandler Lothar Lockl wollte den Deal gegenüber ÖSTERREICH zwar nicht bestätigen, sagt aber: „Uns ist es wichtig, dass erfolgreiche Menschen ins Direktorium kommen, die Unabhängigkeit garantieren, und die gezeigt haben, dass sie einen Sender leiten können.“
Gemeint damit ist, dass die Grünen zwei von vier Direktoriumssitzen vorschlagen können: Programm und Finanzen sollen Ö3-Chef Georg Spatt bzw. ORF-III-Chefin Eva Schindlauer übernehmen. Beide gelten zwar nicht als Grüne, aber zumindest als grün-affin.
Kurz setzt sich durch
Läuft alles so wie geplant – und nichts sprach Montagabend dagegen –, hat Kanzler Sebastian Kurz seine Wunschpersonalie sogar mit Hilfe des Koalitionspartners durchgezogen – ein politischer Erfolg. „Das tut der Koalition gut“, so ein Türkiser. Für die Grünen ist die Wahl Weißmanns hingegen eine Gratwanderung: In der Basis gibt es bereits Kritik, dass man dem „türkisen“ Weißmann mit diesem Postenschacher-Deal die Mauer mache.
"Enttäuscht von Grünen"
SPÖ-Mediensprecher Jörg Leichtfried zeigte sich „von den Grünen enttäuscht“. Und SPÖ-Freundeskreischef Heinz Lederer will jetzt genau aufpassen, ob es im ORF – wie befürchtet – tatsächlich so wie in Ungarn unter Orbán weitergeht.
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