Filmfestival

Locarno: Preise für österreichischen Film

Locarno / Jean-Claude Brisseau
© AP Photo
"La Fille de Nulle Part" von Jean-Claude Brisseau gewinnt den "Goldenen Leoparden".
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Die Jury des Internationalen Wettbewerbs beim 65. Internationalen Filmfestival in Locarno hat vor allem das anspruchsvolle Kino ausgezeichnet. Den Hauptpreis, den "Goldenen Leoparden", vergab die Jury unter Vorsitz des Filmemachers und bildenden Künstlers Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok an den Lowest-Budget-Gruselfilm "La Fille de Nulle Part" ("Das Mädchen von Nirgendwo") des Franzosen Jean-Claude Brisseau. Das Kammerspiel beeindruckt insbesondere durch eine geradezu magische Bildgestaltung. In dem Film liest ein Mathematikprofessor und Hobby-Seelenforscher vor seiner Tür eine verletzte junge Frau auf. Während er sie gesund pflegt, bringt sie sich in seine Arbeit ein und macht ihn mit paranormalen Phänomenen bekannt.

Auszeichnung für Österreicher
Auch eine der beiden im Wettbewerb gestarteten österreichischen Produktionen, "Der Glanz des Tages" von Tizza Covi und Rainer Frimmel, wurde ausgezeichnet. Der Silberne Leopard für den besten Schauspieler ging an den deutschen Zirkusartisten Walter Saabel (geb. 1950), der im österreichischen Kandidaten für den Auslandsoscar 2011, dem Film "La Pivellina" des Regie-Duos Covi/Frimmel, sein Filmdebüt gegeben hatte. In "Der Glanz des Tages" spielt er den Onkel des erfolgreichen Schauspieler Philipp Hochmair und tischt dem Neffen immer wieder Geschichten aus seiner abenteuerlichen Zirkusvergangenheit auf. "Alles ist wahr", meinte Hochmair im Pressegespräch, "außer, dass er mein Onkel ist." "Der Glanz des Tages" erhielt auch eine spezielle Erwähnung der ökumenischen Jury und einen weiteren Nebenpreis.

Selbstfindung
Der Spezialpreis der Jury ging an die US-amerikanische Komödie "Somebody Up There Likes Me". Darin zeigt Regisseur Bob Byington stilistisch originell die lebenslange Suche eines Mannes nach sich selbst. Der Silberne Leopard für die beste Regie wurde dem Chinesen Ying Liang für das Drama "Wo Hai You Hua Yao Shuo" ("When Night Falls") verliehen. Das Werk besticht durch die fast dokumentarisch wirkende Inszenierung eines auf Tatsachen beruhenden Dramas um einen Justizmord in Shanghai. An Nai erhielt für ihre Mitwirkung an dem südkoreanisch-chinesischen Film den Preis für die beste Darstellerin. Eine Special Mention der Hauptjury ging an die - im Film nicht sichtbare - Figur der Candy in "A Ultima Vez Que Vi Macau", für die Jury eine Repräsentantin des "enormen Mutes des portugiesischen Kinos" in einer Zeit der weltweit bedrohten Filmkunst.

Jury-Präsident Apichatpong Weerasethakul erklärte zur Preisvergabe vor Journalisten: "Uns hat die Vielzahl an Filmen gefallen, die sich den verschiedenen Krisen in unserer Welt auf höchst unterschiedliche Weise annehmen." Sein kanadischer Mit-Juror Roger Avery, Drehbuchautor und Regisseur in den USA, ergänzte: "Wir haben die Filme geehrt, die uns inhaltlich und formal derart überrascht haben, dass wir sie uns immer und immer wieder ansehen könnten."

"Vergiss mein nicht"
Der Hauptpreis in der "Woche der Kritik" ging an die deutsche Dokumentation "Vergiss mein nicht". Darin porträtiert Regisseur David Sieveking voller Feingefühl und mit großem Mut zu schonungsloser Offenheit seine an Demenz leidende Mutter. Der Preis für den besten Film im Freiluftprogramm auf der Piazza Grande ging an das Anti-Kriegsdrama "Lore", der mit berührender Anteilnahme das Schicksal elternloser Kinder am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland verfolgt. Regisseurin Cate Shortland hat den Film als deutsch-australisch-britische Koproduktion realisiert.

In der Nachwuchskategorie "Cineasti del presente" ging der Goldene Leopard an den japanischen Film "Inori" und der Regiepreis an "Ape" des Amerikaners Joel Potrykus; der Film über einen erfolglosen Comedian, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, erhielt auch eine spezielle Erwähnung der Erstlingsjury.

Hintergrund
Das Schweizer Filmfest am Lago Maggiore zählt hinter Cannes, Berlin und Venedig zu den wichtigsten europäischen Festivals. Es ging am Samstag zu Ende. Insgesamt liefen in den vergangenen elf Tagen auf dem Filmfestival von Locarno rund 300 Filme in verschiedenen Sektionen. Im Internationalen Wettbewerb um den "Goldenen Leoparden" konkurrierten 19 Dokumentar- und Kurzfilme aus aller Welt, darunter mit "Der Glanz des Tages" und "Museum Hours" zwei österreichische Produktionen. Der "Goldene Leopard" und die anderen Auszeichnungen wurden am Samstagabend in Locarno während einer Gala auf der Piazza Grande vergeben.

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© Stephan Wyckoff

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© APA/HERBERT P. OCZERET



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