Cold Case Krammer
Telefonzellen-Mord: Angeklagter beteuert emotional seine Unschuld
Der ungeklärte Mordfall aus Innsbruck sorgt nach mehr als zwei Jahrzehnten für großes Aufsehen. Der heute 42-jährige Thomas B. - zur Tatzeit war er 21 Jahre alt- muss sich heute, Montag, in der Tiroler Landeshauptstadt wegen Mordes an der damals 19-jährigen Studentin Daniela Kammerer vor Gericht verantworten.
Die Bluttat soll sich in den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2005 in einer Telefonzelle beim Rapoldipark ereignet haben. Das Opfer, Daniela K. war gerade am Heimweg von einer Party und wurde bei einer Telefonzelle brutal attackiert. Die 19-Jährige starb durch zwei Messerstiche in Brust und Rücken.
Unter Blitzlichtgewitter kam der Angeklagte Thomas B. (mittlerweile 42 Jahre alt), ein damaliger Studienkollege der Getöteten, in den Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Innsbruck. Der seit langem in Australien lebende Manager im Sportartikelbereich aus Niederösterreich war freiwillig zur Hauptverhandlung vor dem Geschworenengericht angereist.
Im Mai war gegen ihn überraschend Anklage in dem "Cold Case"-Fall erhoben worden. Ihm wird vorgeworfen, die Niederösterreicherin in den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2005 durch zwei wuchtige Messerstiche in Brust und Rücken getötet zu haben. Ein Pensionist fand die blutüberströmte Leiche der jungen Frau, die zuvor - wie auch der Angeklagte - eine Studenten-Party besucht hatte, vor einer Telefonzelle im Innsbrucker Rapoldipark vor. Die Tat ereignete sich zwei Tage vor dem 20. Geburtstag der Betriebswirtschaftsstudentin. Die Tatwaffe wurde nie gefunden.
Anklage konnte DNA-Spuren sicherstellen
Die öffentliche Anklägerin Adelheid Steiner betonte in ihrem Eröffnungsplädoyer, dass die DNA-Spuren des Angeklagten nicht nur auf dem in der Nähe der toten Studentin gefundenen Zigarettenstummel nachgewiesen worden seien, sondern auch "Signale der DNA" in einer Blutspur der Getöteten am Tatort. "Es gibt zudem DNA unter den Fingernägeln der Frau", berichtete Steiner. Das deute darauf hin, dass sie "mit erheblicher Kraft angefasst und angegriffen worden ist." Auch DNA-Spuren des Mannes am Fahrrad der jungen Frau seien gefunden worden. Die Messerstiche selbst seien dann schließlich mit einem rund 16 Zentimeter langen Küchenmesser "mit erheblicher Energie" gesetzt worden. Ein mögliches Tatmotiv sei jedoch unbekannt, sagte die Staatsanwältin.
Angeklagter: "Ich bin unschuldig"
Der Beschuldigte selbst wies schließlich - wie auch schon bisher - jegliche Schuld von sich. "Ich bin, um das zu beweisen, eigens 15.000 Kilometer angereist", erklärte er in seiner Befragung vor Richter Andreas Fleckl. "Ich habe mit der Sache absolut nichts zu tun", beteuerte er emotional sichtlich angerührt: "Ich habe überhaupt keinen Grund, sie bestialisch zu erstechen." Die Getötete sei eine gute Studienkollegin gewesen, die er regelmäßig gesehen habe, beschrieb er das Verhältnis zwischen ihm und der Niederösterreicherin. "Wir waren aber nicht so befreundet, dass wir uns regelmäßig verabredet hätten", konkretisierte er das Verhältnis weiters. "Sexuelles" oder Ähnliches habe es zudem "nie gegeben".
In der Tatnacht habe er sich von ihr mit "Bussi links, Bussi rechts" verabschiedet, schilderte der Mann. Zudem habe er zuvor im Laufe der Studentenparty bei ihr "eine Zigarette geschnorrt". Bei der Party sei man schließlich als Letzte "übrig geblieben", sodass er sie "zum Ende der Stiegen" begleitet habe und schließlich sichergegangen sei, dass sie gut im Hof bei ihrem Rad angekommen sei. "In den Hof bin ich dann nicht mehr mit ihr rausgegangen", führte er aus. Er wisse somit auch nicht, in welche Richtung sie überhaupt gefahren sei.
Weiters schilderte der Beschuldigte zum Teil unter Tränen die Erlebnisse rund um seine kurzzeitige "Cold-Case"-Festnahme im Jahr 2013. "In der Zelle hatte ich die erste Panikattacke meines Lebens." Was er damals gefühlt habe, sei nicht zu erklären, führte er weiters aus. Es sei ihm außerdem im Anschluss psychisch so schlecht gegangen, dass er professionelle Hilfe in Anspruch genommen habe, meinte der Angeklagte, dessen Familie auch im Verhandlungstag anwesend war. "Ich bin unschuldig, bitte sprechen Sie mich frei und lassen Sie mich meinen Sohn aufwachsen sehen", appellierte der 42-jährige Vater eines zweijährigen Kindes schließlich an die Geschworenen.
DNA-Spur führt zur Anklage
Der Fall zählt zu Österreichs spektakulärsten Cold Cases. Über 20 Jahre lang konnten keine eindeutigen Beweise geliefert werden, bis im Mai 2026. Da brachte eine neue Untersuchungsmethode endlich die entscheidende Bewegung in die Ermittlungen: Auf dem Filter einer am Tatort zurückgelassenen Zigarette wurde DNA des Beschuldigten nachgewiesen. Thomas B. lebt allerdings mittlerweile in Australien. Er beteuert seine Unschuld und reiste freiwillig zum Prozess an.
Ende Dezember 2013 wurde Thomas B. von Ermittlern bereits festgenommen und etwa für sieben Wochen wegen Mordverdachts in U-Haft gesteckt. Nachdem sich eine DNA Spur an der Kleidung des Opfers, genauer gesagt auf der Innenseite des Rocks, nicht als so aussagekräftig dargestellt hat, wie zunächst angenommen, wurde der Angeklagte enthaftet und das Ermittlungsverfahren im Februar 2014 eingestellt.
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Verteidigung zweifelt an Beweisen
Die Verteidigung hält gegen den neuen Beweis und verweist auf Privatgutachten, die Zweifel an der Aussagekraft der DNA-Spuren aufwerfen. Auch die damaligen Ermittlungen werden scharf kritisiert.
Zum Prozessauftakt ist ein umfangreicher Gutachter-Marathon mit mehreren Sachverständigen geplant. Nach 21 Jahren könnte der rätselhafte Fall eine entscheidende Wendung nehmen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Der Prozess ist für zwei Tage angesetzt.
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